Jahresrückblick 2016

Ein Jahr neigt sich dem Ende, also mal wieder alle Uhren auf Null stellen und etwas tiefer in den Spiegel gucken. Hier die kommentierten Vorsätze von 2016:

1. Die Zeit mit meinem Kind mehr genießen. (Oft ist es mehr ein „Zeit rumbringen“, durchhalten ohne einzuschlafen, bespaßen. Muss es ja aber nicht sein und sollte es auch nicht.)

Nun ja. Ich sag mal so, in Anbetracht der Tatsache, wie oft ich gesundheitlich durch verschiedenste Dinge beim Genießen (und Bespaßen und nicht Einschlafen) eingeschränkt war, hat das Glückskind doch ein bisschen was von mir gehabt. Zumindest bis Ende September… Wir hatten sehr viele schöne Momente. Beim gemeinsamen Eis essen, auf dem Wasserspielplatz, in Ollerdissen.

2. Noch öfter tief durchatmen statt meckern. (Die Situation verändern, die zum meckern geführt hat. Nicht sofort aber dann in der nächsten Zeit.)

Doch, das ist mir des Öfteren gelungen. Nicht so oft, wie ich gerne hätte, aber das gehört ja bei mir dazu. Zumindest den Sommer über habe ich wenig „gemeckert“ und das obwohl das Glückskind dieses Jahr nicht gerade seine leichteste Phase hatte. Sie war so oft unglücklich mit sich selbst und wütend, hat das nein-doch-Spiel entdeckt und sehr konkrete Vorstellungen über Abläufe in ihrer Umwelt entwickelt. Das führte zB dazu, dass ich Bananenschalen mit Klebeband geflickt habe, weil ich sie aus Versehen zu weit geschält hatte. Manchmal erinnerte das an einen Tanz auf rohen Eiern, der umso anstrengender wurde, je intensiver man versucht hat, das kleine Pulverfässchen vom Explodieren abzuhalten. Irgendwann habe ich dann die Strategie geändert und nicht mehr krampfhaft versucht, alles „Ungemach“ vom Kind fernzuhalten, sondern das Wüten und Weinen (auch wenn es mir jedesmal furchtbar in der Seele wehtut, aber das ist ja mein Problem!) hingenommen und mit dem Kind gemeinsam abgewartet, bis der Anfall vorbei war und Trösten wieder möglich. Ich habe versucht, mir vor Augen zu halten, wie schwer alles für sie in dieser Zeit sein mochte: ich wurde immer dicker, kränklicher, müder und unbeweglicher und konnte immer weniger mit ihr spielen. Und dann wurde auch noch dauernd über ein ominöses „Brüderchen“ gesprochen, von dem sie keine Ahnung hatte, was das wohl bedeuten sollte… Dazu gab es aus schlichter Erschöpfung viel zu oft Eis und Tablet-gucken fürs Kind. Das war halt erst mal eine Gute-Laune-Garant. Seit dem das Kind (inzwischen ein reichlicher Monat) aber auf Tablet-Entzug ist, erscheint sie mir doch deutlich ausgeglichener. Sie war/ist einfach noch zu klein für selbstgesteuerte Mediennutzung und ihre Eltern sind auch schlicht keine guten Vorbilder in dieser Beziehung. Am Eis arbeiten wir noch…
Gefühlt hat sich mein Geduldsfaden seit Ankunft vom Goldkind nicht halbiert, sondern ist komplett zusammengeschrumpelt. Beide Kinder werden grundlos angeraunzt, wie das halt dann so ist… Immerhin hatte ich gegen Jahresende eine Erleuchtung, woran das (außer an schlichter Erschöpfung) liegen könnte, so dass ich sicher spätestens im Februar wieder „auf dem rechten Pfad“ wandeln kann, was meine Vorstellung vom Zusammenleben mit Kindern angeht.

3. Weiter ausmisten. (Wir haben immer noch viel zu viel Zeug. Jede Woche sollen 10 Teile raus. Verkaufen, verschenken und nur das schlimmste wegschmeißen.)

Haben wir nicht lange konsequent durchgezogen, aber etwas überschaubarer ist es schon. Damit möchte ich unbedingt weitermachen. Allerdings ist insbesondere das online Verkaufen auch ein mühsames Geschäft… Dauern muss man Kartons suchen, zig Nachrichten schreiben, auf Geldeingänge warten, zur Post latschen usw. Am einfachsten gingen immer noch die Spenden an die Recyclingbörse weg (das hat ben_ gemacht) und Klamotten konnte ich an der Uni für Geflüchtete spenden. Das war gut. Wohin jetzt aber mit 3 Hektolitern zu klein gewordener Kindersachen? Jemand ne gute, einfache Idee?

4. Besser essen. (Ich möchte weniger Tiere quälen. Daher: höchstens 1x pro Woche Fleisch, mindestens 1x pro Woche vegan. Und weil es mir besser tut, und dem Kind sowieso: nur noch 1x pro Woche Zucker.)

Die Schwangerschaft hat bei mir bescheuerter Weise alle Dämme brechen lassen. Ich war ein willenloses Etwas wenn es um Essen und vor allem Zucker ging, zumindest, als ich wieder Spaß am Essen hatte nach der ätzenden ersten Hälfte. Zuckerfrei hat also mal so gar nicht geklappt. Vegetarisch war nie so das riesen Problem, ist aber auch aus dem Ruder gelaufen. Liebe Kühe, Schweine und Schafe: es tut mir aufrichtig leid. Vernünftigen „Ersatz“ für Milchprodukte finde ich nach wie vor schwierig. Reis-, Mandel- und Hafermilch schmecken mir nur sehr eingeschränkt und bis jetzt hatte ich nie den Elan, mich geschmacklich mal konsequent umzugewöhnen. Gleiches gilt noch viel mehr für entsprechende Sahne/Käse-etc.-Produkte. Ich finde vegan – wenn es kein Curry mit Kokosmilch sein soll – leider nach wie vor schwierig.

5. Arbeit und Freizeit wieder sauberer trennen. (6 Stunden Arbeitszeit pro Tag sind eh nicht viel. Wenn ich da nicht abends nacharbeiten will, muss ich konzentrierter ran. Dafür dann die Freizeit mehr genießen.)

Ja, doch, das hat gut geklappt. Dabei hat mir das Kind auch sehr geholfen, denn es hat schlicht nicht geduldet, dass ich seiner Anwesenheit arbeite. Leider gab es im Sommer aufgrund trauriger Ereignisse deutlich mehr Arbeit als geplant, aber irgendwie hab ich es doch geschafft. Dafür musste ich zwar einen Teil des Mutterschutzes dran geben, aber da es mir in dieser Zeit eh relativ gut ging, war das kein Problem (und hat mir nicht unerhebliche Bonuspunkte bei meiner Chefin eingebracht).

6. Wieder mehr lesen und darüber bloggen. (Keine Ahnung, wann genau ich das machen soll. Aber ab und zu schläft das Kind ja doch.)

Ja. Schön wärs gewesen. Ich war/bin abends schlicht zu müde zum Lesen. Berieseln lassen geht noch. Das finde ich sehr schade. Da möchte ich mich gerne mal wieder „eingrooven“.

7. Mehr ins Kino gehen. (Ich habe einen Lichtwerkgutschein, und ich werde ihn benutzen. Außerdem ist die Omiga dieses Jahr hier her gezogen und besitzt einen ebensolchen Gutschein. Da wird sich doch was einrichten lassen.)

Hat gar nicht geklappt. War 4x oder 5x im Kino, oder so. Die meisten Filme hab ich mit ben_ zusammen gesehen, an die anderen kann ich mich nicht erinnern. Leider.

Und im nächsten Beitrag dann die Vorsätze für 2017.

2 Kommentare zu „Jahresrückblick 2016“

  1. Jetzt bin ich aber sehr auf die Erleuchtung gespannt. Die wurde nämlich noch nicht mit mir geteilt.

    Davon abgesehen: Ich habe das ja auch in der zweiten Jahreshälfte und ohne Essenspläne weiter im Auge gehabt: Wir haben zwar nicht sechs Tage die Woche vegetarisch gegessen und ganz sicher nicht einen Tag die Woche vegan, aber unser Fleischverbrauch ist drastisch gesunken im Vergleich zum Vorjahr. Das halte ich für einen deutlichen Fortschritt über den Du Dich auch mal freuen kannst.

    Und was das Glückskind angeht: Ja, da haben wir viel mit ihr zusammen gelernt dieses Jahr. Aber auch hier muss ich sagen: Gerade jetzt am Ende des Jahres haben wir einen ziemlich guten Modus Operandi gefunden. Und das trotz zusätzlichem Goldkind, Winter und Papa der Vollzeit arbeitet.

  2. Sehr amüsanter vergleich mit dem kleinen Pulverfässchen. Hab da gleich ein Bild im Kopf. Und dabei war sie an Sylvester so artig. Und ich habe heute so schön mit ihr telefoniert. So langsam wird sie ein großes Mädchen.

    LG, Katrin

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