Corine 2011 – Buchpreis Anti-Marketing

Während alle anderen gerade auf Giovannis Guttenberg-Fehlleistung rumreiten, hallt in mir immer noch ein TV-Ereignis nach, das ich am liebsten nicht gesehen hätte. Aber ihr kennt das vielleicht, der Ekel fasziniert ja auch irgendwie. Jedenfalls wurde Ende letzten Monats der „Internationale Buchpreis Corine“ verliehen. So weit, so gut. Dass Buchpreise mehrere versteckte und unterschiedliche offene Agenden haben ist ja nun nichts neues. Die Art und Weise wie hier in penetrantester Anschleim-Manier vorweihnachtliches Pseudo-Intellektuellen-Marketing betrieben wurde, hat mich dann aber doch in ihrem Ausmaß ziemlich schockiert.

Zunächst mal die Kategorien: da gibt es so vielsagendes wie den „Zukunftspreis“, den „Belletristik-Preis des Zeit-Verlages“ oder den „Wirtschaftsbuchpreis der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft“. Das ist doch genau das, was man sich unter einem Buchpreis vorstellt, oder? Und signalisiert schon Unabhängigkeit bis dorthinaus.

Den Hörbuchpreis bekam Axel Hacke für das Vorlesen seiner Kolumnen. Die CD voll macht seine Frau, die kann nämlich singen und will jetzt auch mal AUF die Bühne (sie schreibt sonst Drehbücher). Nach einer Kostprobe beider Teile (Hacke alterslüstern-peinlich; seine Frau in ihrer Zurückhaltung ausgezeichnet) sprach kein geringerer als Studien- und immer noch auch so Freund der Familie Giovanni di Lorenzo die „Laudatio“. So wissen jetzt alle Fernsehzuschauer, wie sich dieses „Traumpaar“ dank der Unterstützung des amore-Italieners dann doch noch gekriegt hat und dass sich alle auch so „ganz doll lieb haben“, schließlich saß Giovannis Angetraute im Publikum zwischen (!?) dem Preisträger-Ehepaar. Dann kamen alle, bis auf Sabrina, aber die stand in ihrem Leben ja nun wirklich mehr als genug VOR Kameras, auf die Bühne und der Axel dankt der Ursula, und die Ursula dankt dem Axel und beide danken dem Giovanni und die Katrin steht auch daneben und fragt was dämliches:

(Bild entfernt, aus Gründen)

Ich meine, können die sich nicht einfach gegenseitig mal aufn Kaffee einladen und sich dann sagen, wie lieb sie sich haben? Müssen die das auf einer Bühne machen? Im Fernsehen? Ist denen das gar nicht peinlich?

Aber wenn man denkt, das wäre schon schlimm – haha! Herr di Lorenzo hat wenigstens einigermaßen flüssig gesprochen: Warum sich Elke Heidenreich ausgerechnet diesen Preis ausgesucht hat, um mal wieder im Fernsehen aufzutreten, weiß man auch nicht. Das ist bestenfalls inkonsequent, aber man wird ja auch nicht wegen Integrität berühmt. Warum in aller Herrgottsnamen aber ein Barkeeper die „Laudatio“ halten bzw. ablesen muss, erschließt sich mir jedoch nicht. Ok, es ging im Dylan Thomas, der im ersten Beruf Trinker und im zweiten Schriftsteller war (mit beidem ließ sich zu seiner Zeit eher wenig Geld verdienen), aber trotzdem wäre ein etwas literaterer Redner in Frau Heidenreichs Bekanntenkreis sicher aufzutreiben gewesen.

Und so setzt sich der Abend fort: große Emotionen, überall Schwippschwager und Jugendfreunde, Kaufempfehlungen aller Orten, quasi die fertige Weihnachtsgeschenkeliste an einem Abend. Und immer die Katrin, die „mit Leidenschaft, Geist, Witz und Glamour die nationalen und internationalen Preisträger und die prämierten Bücher auf hohem Unterhaltungsniveau“ präsentiert (O-Ton Webseite. Das hätte ich mir nicht schöner ausdenken können!):

(Bild entfernt, aus Gründen. Der Text is aber alleine schon schlimm genug.)

Schlimme Fernsehsendungen gibt es viele, und noch mehr Leute, die sich darüber aufregen (ich bin ja keine Mode-Bloggerin, aber… Nee, ok, ich lasses). Was mich aber wahnsinnig macht, ist das „so etwas“ auf 3sat läuft. Die Privaten können von mir aus machen, was Quote bringt, aber von einem öffentlich-rechtlichen Sender möchte ich einfach nicht so veralbert werden.

Ein Gedanke zu „Corine 2011 – Buchpreis Anti-Marketing“

  1. Was mich aber wahnsinnig macht, ist das “so etwas” auf 3sat läuft. Die Privaten können von mir aus machen, was Quote bringt, aber von einem öffentlich-rechtlichen Sender möchte ich einfach nicht so veralbert werden.

    Deshalb bin ich ja auch für die Abschaffung des gebührenfinanzierten Fernsehens. Also mindestens ARD/ZDF. Du sprichst hier ja übrigens ’nur‘ von Veranstaltungen dieser Art, die ‚immerhin‘ irgendwas mit Werbung Büchern zu tun haben – und noch nicht einmal von den mittlerweile 1000fach von den Privaten kopierten Konzepten (also die Öffentlich-Rechtlichen kopieren schlechte Formate der Privaten)… uuuuuund: Fußball, also von Subventionen für Fußballer-Millionengehälter… uuuuuund: ihrer überhaupt rein staatstragenden Funktion. Ich wette, es gibt genug, die PayTV-mäßig freiwillig für den mit weniger Geldern finanzierbaren ‚Rest‘ zahlen würden.

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